Im aufstrebenden Vietnam ist der Krieg unvergessen

Veröffentlicht am 11.02.2013 in AG 60plus

Einen Reisebericht aus Indochina bot der Lauffener Genosse und pensionierte Oberstudienrat Hartmut Wilhelm bei der Februar-Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft 60 plus des SPD-Kreisverbands Heilbronn-Land in der SPD-Kreisgeschäftsstelle Heilbronn. Indochina – Hinterindien, Südostasien: Die wenigsten können sich davon konkrete geografische Vorstellungen machen. Doch wie es sich für einen leidenschaftlichen Geschichtslehrer gehört, gab Wilhelm am Anfang seiner in Wort und Bild dargestellten Reiseeindrücke eine historische Einführung Indochina ist die Bezeichnung, unter der Frankreich sein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtetes Kolonialreich in Südostasien zusammenfasste.

Im II. Weltkrieg war dieses Gebiet von Japan besetzt. 1945, als die kommunistische Vietminh, die schon in früheren Jahrzehnten den vietnamesischen Widerstand und Guerillakampf begründe hatte, unter Ho Chi Minh die Demokratische Republik Vietnam ausriefen, machten die Franzosen wieder ihre Machtansprüche in ihrem ehemaligen Protektorat als französische Union geltend. Sie führten gegen die Unabhängigkeitsbewegung blutige Kämpfe, weitgehend getragen von der Fremdenlegion mit 54 000 deutschen Soldaten („letzter Krieg der Waffen-SS und Wehrmacht“). Nach dem Sieg der chinesischen Revolution 1949 erhielten die Vietminh Waffen aus China. Ab 1951 übernahmen die USA die Kriegskosten, da in dem Kolonialkrieg ein Ost-West-Krieg gesehen wurde (von 1950 bis 1953 tobt auch der Koreakrieg). Bei der von der französischen Führung gesuchten Entscheidungsschlacht bei Dien Bien Phu fiel die strategisch wichtige französische Garnison. 1700 Mann (davon 1600 Deutsche) gerieten in Gefangenschaft (mit Brig-General de Castries, der 1944 verantwortlich war für die Beschießung der unverteidigten Schwarzwald-Stadt Freudenstadt).

1954 wurde der Indochina-Krieg durch Waffenstillstand auf der Genfer Indochina-Konferenz beendet. Frankreich zog sich zurück, Vietnam wurde unabhängig, jedoch am 17. Breitengrad geteilt in einen kommunistischen Norden und einen vom Westen unterstützten diktatorischen Süden, der zunehmend bedroht wurde durch die vom Norden und kommunistisch unterstützte Guerillabewegung der Vietcong. Nach dem provozierten Zwischenfall im Golf von Tonking weiteten die USA ihr Engagement zum faktischen Vietnam-Krieg (1965-73) mit massiven US-Truppeneinsatz aus. Die südvietnamesischen Vietcong erhielten Nachschub aus dem Norden auf dem Ho Chi Min-Pfad. Deswegen kam es ab 1970 auch zu massiven US-Luftangriffen auf Laos und Kambodscha. Internationaler Druck führte zum Rückzug der in die Defensive geratenen US-Truppen. Trotz Waffenstillstand 1973 gingen die Kämpfe zwischen Nord- und Süd-Vietnam weiter. 1975 besetzten nordvietnamesischen Truppen den Süden und Saigon. Vietnam geriet in die Isolierung, bis auf Kontakte zur DDR. 1993 beendete US-Präsident Clinton die Isolationspolitik, und Vietnam öffnete sich dem ausländischem Kapital. Die sozialistische Republik Vietnam ist etwas kleiner als Deutschland, hat aber mehr Einwohner. Politische Öffnung und wirtschaftliche Liberalisierung macht Vietnam zu einem aufstrebenden Wirtschaftsland.
Hartmut Wilhelms geführte Reise begann in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi, wo man noch immer dem Vater der Revolution Ho Chi Minh huldigt. Interessante Einblicke in die Marktstraßen der Altstadt, Prachtboulevards, katholischen Kathedralen und und altkolonialen Villen. Dann ging es in die alte Kaiserstadt Hue mit ihren Palästen, Tempeln und Pagoden, und in die Küsten-Metropole Da Nang, heute ein großartig3s Erholungs- und Strandparadies. Wilhelm bekam auch einen Einblick in das legendäre Tunnelnetz des Vietcong – und einen Schauder ob der Millionen-Tote des brutalen Vietnam-Kriegs. Schließlich das boomende Saigon, offiziell Ho Chi Minh Stadt, die Wirtschafsmetropole Vietnams, wo Wilhelm von dem ewigen Verkehr und den unzähligen Mopeds regelrecht genervt war. Äußerst quirliges Leben erlebte Wilhelm auch auf dem Mekong und in den Kanälen im Delta-Gebiet, mit den Garteninseln und schwimmenden Märkten.

Zum Abschluss ein Abstecher ins „kaputte“ Nachbarland Kambodscha, wo die freigelegte imponierende Tempelstadt Angkor mit historischen Kunstzeugnissen die Touristen beeindruckte, wo die Wurzeln riesiger Bäume noch geheimnisvolle Tempelruinen voll im Griff haben.

 

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