Ist Corona ein Migrationsproblem?

Veröffentlicht am 05.04.2021 in Ortsverein

Am 6.3. berichtete die BILD Zeitung,  dass mindestens die Hälfte, unter Umständen sogar 90 Prozent der Covid-19 Patienten auf den Intensivstationen einen Migrationshintergrund besitzen. Die BILD Zeitung bezieht sich dabei auf den RKI Präsident Wieler, der angeblich die „sprachliche Barrieren“ und die mangelnden Präventionsmöglichkeiten mit den „Parallelgesellschaften mitten in unserem Land“ in einer privaten Telefonschalte gegenüber Ärzten thematisiert hat. Der BILD Artikel wurde sogleich von rechtskonservativen Politikern für eine Stimmung gegen Menschen mit Migrationshintergrund instrumentalisiert.

Fakt ist, dass es nach Aussagen des „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ (DIVI), Merkmale wie „Sprachbarriere“ oder „Migrationshintergrund“ statistisch gar nicht erfasst werden. Die Aussage Wielers kann sich daher lediglich auf vereinzelte Krankenhäuser beziehen, aber nicht generell auf ganz Deutschland. Und so gibt es in der Tat, beispielsweise in Berlin, Stadtteile mit einem hohen Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund, bei denen die Corona Inzidenzen deutlich höher sind als in anderen Berliner Stadtteilen. Dementsprechend ist auch ihr Anteil auf den Intensivstationen erkennbar höher. Die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial vermutet die Ursache aber auch in den vergleichsweise häufig prekären Arbeits- und Lebensbedingungen in den betroffenen Stadtteilen. Viele der Bewohner arbeiten an vorderster Front und sind dem Virus stärker ausgeliefert als andere. So stellen Menschen mit Migrationshintergrund beispielsweise einen überproportional hohen Anteil bei den Pflegekräften, bei Reinigungsdiensten, im Einzelhandel und bei Lieferdiensten. Sie tragen damit eine der Hauptlasten in der Pandemiebekämpfung, ohne bisher die dafür gebührende Anerkennung erhalten zu haben.

Wir sollten in einer Zeit wachsender Fallzahlen und angesichts der nahenden dritten Welle uns nicht leichtsinnig von fadenscheinigen Veröffentlichungen leiten lassen, welche die Spaltung dieser Gesellschaft im Sinne haben. Die Corona Pandemie ist nicht alleinig das Problem von Menschen einer bestimmten Altersschicht, einer Einkommensklasse, einer bestimmten Religion, eines Migrationshintergrunds oder einer politischen Orientierung. Wir werden diese Pandemie nur gemeinsam erfolgreich bekämpfen können, das scheint manchen noch nicht klar zu sein.

 

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