Achtung Desinformationskampagne

Veröffentlicht am 05.09.2021 in Ortsverein

Wer Tierliebhaber ist, der kommt nicht umhin über die Kampagne des Verbandes praktizierender Tierärzte e.V. zu stolpern. Die richtet sich gegen das Veto eines Ausschusses des EU-Parlaments, mit dem der löchrige Vorschlag der EU-Kommission zur Reduktion von Antibiotika in der Masttierhaltung verhindert werden soll. Das Veto des EU-Ausschusses ENVI kritisiert die mangelhaften Regelungen und fordert ein konsequentes Verbot, insbesondere von Reserveantibiotika. Dagegen läuft der Verband der Tierärzte (bpt) jetzt Sturm. Der Verband befürwortet eher den löchrigen Vorschlag der EU-Kommission, der das einträgliche Geschäft mit Antibiotika weiterhin zulässt. Das ist nachvollziehbar, da manche Tierärzte zum Teil die Hälfte ihres Umsatzes mit Antibiotika bestreiten, ein Verbot auf sie daher sogar existenzbedrohend wirken könnte. Nicht nachvollziehbar ist aber, dass der Verband jetzt mit einer Desinformationskampagne Haustierbesitzer gegen den EU Ausschuss aufwiegelt, indem sie behaupten Haustiere wären ebenfalls betroffen, da nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden dürfte. Mit einer Petition fordert der Verband die Tierliebhaber auf, die Entscheidung des EU-Parlaments im September zu beeinflussen.

Ein Rechtsgutachten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) widerspricht der Behauptung des Verbandes der Tierärzte. Das Veto des EU-Ausschusses betrifft nach Sicht des DUH nur die landwirtschaftliche Nutzung von Antibiotika, und nicht die Nutzung für Haustiere. Hier sollen offensichtlich Tierliebhaber für die ökonomischen Interessen eines Bundesverbandes eingespannt werden. Dabei geht es doch dem EU-Ausschuss nur darum, dass der massenhafte Einsatz von Antibiotika bei Masttieren endlich ein Ende findet. Keiner hat einen Vorteil, wenn wir wieder in die Vor-Antibiotika Zeit zurückfallen, mit zig-Millionen Toten und Hygiene Einschränkungen ähnlich der Corona-Krise.

Auch die SPD hat eine klare Haltung zu Antibiotika. Wir wollen, dass insbesondere Reserveantibiotika nur kontrolliert in der Humanmedizin zum Einsatz kommen dürfen. Eine Massentierhaltung, die nur noch mit der präventiven Gabe von Antibiotika möglich ist, ist nicht nachhaltig und schon gar nicht artgerecht. Antibiotika darf nicht zur Komponente im Geschäftsmodell der industriellen Produktion von Fleisch verkommen.

Wir dürfen nicht die Gesundheit der EU Bürger dem kommerziellen Interesse einiger Verbände unterordnen. Und das sollten wir am besten auch nicht machen, wenn uns beim nächsten Tierarztbesuch ein niedlicher Hund auf einem Poster auffordert eine Petition des Verbandes der Tierärzte zu unterstützen.

 

Thomas Utz - unser Mann für Berlin

Foto: Holm Wolschendorf

Kreisverband Heilbronn- Land

SPD Heilbronn-Land

Josip Juratovic (MdB)

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Evelyne Gebhardt (MdEP)